Persönliche Entwicklung, Karriere, Finanzen | 17.03.2021

Persönliche Agilität braucht Stabilität

von Monika A. Pohl

Was kommt auf mich zu und wie viel mehr Flexibilität wird in Zukunft von mir verlangt? Die vielfach geforderte Agilität verunsichert etliche Arbeitnehmer und konfrontiert sie mit Ungewissheit. Um mit den neuen Anforderungen der sich rasant wandelnden Arbeitswelt mitzugehen, brauchen Beschäftigte entsprechende Rahmenbedingungen und Rückenwind seitens der Arbeitgeber. Eine Eigenschaft, die für agiles Handeln wesentlich ist, wird jedoch häufig außer Acht gelassen und genau das ist der größte Fehler. Denn mindestens ebenso wichtig ist die persönliche Stabilität. Sie ist der notwendige Gegenpol, der uns erlaubt, Balance herzustellen, um unsere berufliche Tätigkeit langfristig als sinnstiftend zu erfahren und an ihr zu wachsen, statt uns zu erschöpfen. Genau das zeichnet New Work aus. Arbeit soll nicht nur der Wertschöpfung dienen, sondern zugleich unserer Weiterentwicklung.

Doch wie lässt sich diese Stabilität herstellen? Durch eine angemessene Selbstfürsorge, bei der es darum geht, neben den fachlichen Kompetenzen auch seine Persönlichkeit weiterzuentwickeln. Besonders wichtig im Hinblick auf flexibles Agieren sind die eigene Gesundheitskompetenz, was uns COVID-19 unmissverständlich gezeigt hat, ebenso wie ein funktionierendes soziales Netzwerk und das Gefühl der Selbstwirksamkeit. Was konkret jemand zur Förderung der eigenen Gesundheit braucht, ist individuell verschieden. Wichtig ist lediglich, nicht nur den Körper, sondern auch die psychische und seelische Gesundheit im Fokus zu behalten. Dabei ist der erste Schritt, Kontakt mit sich selbst herzustellen, um seine Bedürfnisse zu identifizieren. So banal das auch klingt, genau das ist meiner Erfahrung nach der Hauptgrund für den massiven Anstieg psychischer Erkrankungen, den wir seit Jahren beobachten. Menschen rennen ungesehen in ein Burn-out, weil sie sich selbst nicht mehr spüren und ihre Gefühle weder wahrnehmen, noch richtig interpretieren können, um rechtzeitig gegenzusteuern. Die Erwartung, dass diese Menschen intuitiv und chancenorientiert reagieren, kann sich nicht bestätigen.

Wir alle sind soziale Wesen und damit auf das Miteinander programmiert. Auch das hat uns die Corona-Pandemie deutlich gemacht. Daher ist ein gut funktionierendes soziales Netzwerk, auf das wir bei Bedarf zugreifen können, enorm wichtig. Pflegen Sie es und schauen Sie genau hin, wo Sie es vielleicht ausbauen oder qualitativ verbessern können. Wer auf Unterstützung zählen kann, weil er sich in eine Gemeinschaft eingebunden fühlt, die ihn oder sie in heiklen Zeiten trägt, schaut mit Zuversicht nach vorne.

Gesundheitskompetenz und das Gefühl der Kohärenz sind zwei wesentliche Ressourcen, die im Alltag Stabilität bieten und die eigene Selbstwirksamkeit stärken. Genau diese befähigen und beflügeln Arbeitnehmer, sich neu auszurichten, kreative Lösungen zu finden und flexibel zu sein in ihrem Tun. Alles andere ist nur eine Wunschvorstellung. Es liegt in Ihrer Hand und in Ihrer Verantwortung, diese Stabilität für sich selbst herzustellen.