Management, Führung

Gene­ra­tion Alpha verstehen

Interview mit Tina Sprung

Werfen Sie einen Blick hinter das Buchcover!
Für unser GABAL-Magazin hat Tina Sprung fünf Fragen zu ihrem Buch "30 Minuten Generation Alpha" beantwortet.

Mal auf den Punkt gebracht – worum geht es in Ihrem Buch?

Dieses Buch hilft zu verstehen, wie die junge Generation – die Gen Alpha – aufwächst. Es zeigt, dass wir es nicht einfach mit „der nächsten Generation“ zu tun haben, sondern mit einer Altersgruppe, die in einer Welt groß wird, die von Künstlicher Intelligenz, permanenter Vernetzung und extrem schnellen Innovationszyklen geprägt ist. Ich kenne ChatGPT jetzt seit ein paar Jahren, manche kleine Kinder werden eine Welt ohne nicht mehr kennen. Das macht was mit dem Nutzungsverhalten.

Was macht das Buch aus? Was ist das Besondere an Ihrem Titel?

Ich beschreibe die Generation Alpha nicht über vereinfachende Zuschreibungen, sondern über die Bedingungen, unter denen sie aufwächst. Denn genau da liegt oft der Denkfehler: Wir beobachten Verhalten und machen daraus vorschnell „Generationenmerkmale“. Ich hinterfrage im Buch auch ganz bewusst, ob wir es wirklich mit Generationeneffekten zu tun haben oder nicht viel häufiger mit Alters- oder Kontexteffekten. Das macht die Einordnung komplexer, aber auch ehrlicher.

Wann kam der Moment in dem Sie wussten: das Buch schreibe ich!

Als ich bis dahin das einzige deutschsprachige Buch in der Hand hielt, das die Generation Alpha wenig differenziert und pauschal als „lebensunfähig“ beschrieb, war für mich klar, dass ich einen anderen Blick darauf setzen möchte. Und ehrlich gesagt: Das hat mich ziemlich fassungslos gemacht. So können wir nicht über Kinder sprechen. Für mich hat das boulevardeske Züge. Mir geht es darum, solchen verkürzten Darstellungen fundierte Einordnungen und faktenbasierte Perspektiven entgegenzustellen. Denn die Aufgabe unserer Gesellschaft ist es nicht, junge Generationen vorschnell zu bewerten, sondern sie zu verstehen und für die Zukunft zu stärken. 

Mal ehrlich: wie viel persönliche Erfahrung steckt in Ihrem Buch?

Privat: sehr wenig, denn ich bin noch keine Mama. Beruflich: sehr viel. Das Buch basiert nicht nur auf Studien, sondern auch auf meiner Arbeit mit Unternehmen und in der Auseinandersetzung mit jungen Zielgruppen. Ich interviewe viele Gen Alphas. Dabei erlebe ich täglich, wie groß die Lücke ist zwischen dem, wie wir über junge Menschen sprechen und wie sie tatsächlich leben. Aber dieses Phänomen erleben wir schon seit Jahrtausenden. 

Wen möchten Sie erreichen? Für wen ist das Buch die perfekte Lektüre?

Für alle, die diesen Hype-Themen nicht nachlaufen wollen zu Generationen. Sondern fundiert lesen wollen, ob es sich um Generationeneffekte handelt oder ob nicht auch Alterskohorteneffekte eine Rolle spielen. Das kritisch zu hinterfragen, war Teil des Buches. Zudem eignet es sich prima für Marketingverantwortliche, HR und Employer Branding und Führungskräfte und Entscheider. Warum? Die Generation steht nun in den Startlöchern und wir werden wieder mit neuen Kanälen und Nutzungsverhalten konfrontiert werden. Und das bedarf einfach einer sehr schnellen Anpassung.

Über die Autorin

Tina Sprung ist Marketingstrategin, Hochschuldozentin, ausgebildete Redakteurin und Gründerin der Sprungbrett Digitalagentur in St. Gallen. Sie lehrt an der IU International University sowie an der Hochschule Macromedia in den Bereichen strategisches Marketing, Konsumpsychologie und digitale Kommunikation. Mit einem MBA in Digitalem Marketing und Data Management sowie langjähriger Erfahrung in den Bereichen Medien, Bildung und Markenführung übersetzt sie wissenschaftliche Erkenntnisse in praxisnahe Strategie. Das Thema Generation Alpha ist ihr derzeitiger Forschungsschwerpunkt und auch Teil ihrer Lehre: Es ist die Generation ihrer zukünftigen Studierenden, Mitarbeitenden sowie Kund:innen. Zusammen mit den Studierenden erarbeitet sie regelmäßig Projekte über die Generationsforschung. 

Bild: Mariia Vitkovska / istockphoto.com