Wirtschaft, Gesellschaft | 09.09.2021

Fähigkeiten entfalten als Modern-Work-Prinzip

von Anna und Nils Schnell

Fähigkeiten entfalten als Modern-Work-Prinzip
© Anna und Nils Schnell

Die Aufgabe von Führungskräften wird in Zukunft noch viel mehr darin bestehen, ihre Mitarbeitenden dabei zu unterstützen, ihre eigenen Kompetenzen weiterzuentwickeln. Und zwar genau von dort aus, wo die Mitarbeitenden gerade in ihrer Entwicklung stehen. Es braucht einen „Shift to Leadership“, damit Führungskräfte ihre Mitarbeitenden noch besser dabei unterstützen können, ihre Fähigkeiten zu entfalten.

Der offene Umgang mit Problemen – also der Aufbau einer Fehlerkultur – ist dabei ein wesentlicher Kern beim Führen. Deshalb ist es sehr wichtig, als Führungskraft vorbildlich voranzugehen. Nur so kann von den Mitarbeitenden dasselbe erwartet werden. Das eigene Ego herunterzuschrauben und eigene Fehler zuzugeben, schafft Nähe. Das wiederum führt zu mehr Vertrauen untereinander. Führungskräfte werden sich viel stärker mit ihrem Führungsverständnis auseinandersetzen müssen, um nicht nur über Fehler zu sprechen, sondern vor allem über die Lernerkenntnisse in den Austausch zu gehen. Das erfordert in einem ersten Schritt Selbstführung und Aufmerksamkeit im Hinblick auf die eigene Person und das eigene Handeln.


Die Ermächtigung von Stärken der Mitarbeitenden, also das „Empowerment“, kann dabei als Leitplanke dienen. Mitarbeitende werden stärker befähigt, wenn sie ihrer Arbeit eine Bedeutsamkeit beziehungsweise einen Sinn zuschreiben und wenn sie selbstbestimmt sowie kompetenzorientiert mit ihrer Tätigkeit Einfluss ausüben können. Dafür muss die Führungskraft Möglichkeiten und eine sichere Umgebung für die Mitarbeitenden schaffen, was unter „Enabling“ zusammengefasst werden kann.

Führungskräfte nehmen eine entscheidende Position im Unternehmen ein, da sie im mittleren und oberen Management die Möglichkeit haben, bestehende Systeme zu hinterfragen und zu verändern. Das erfordert allerdings auch Mut und Reflexionsbereitschaft seitens der Führungskraft. Nur wenn eine Führungskraft mutig genug ist, die Mitarbeitenden darin zu unterstützen, eigene Schritte zu gehen, kann Modern Work gelingen. Es reicht nicht, nur einmal jährlich im Feedbackgespräch über Bedenken und Schwierigkeiten zu sprechen. Das muss im täglichen Prozess geschehen.


Für uns schließt „viable“ Führung daran an und trägt zu einem veränderten Verständnis bei. Viabel bedeutet so viel wie „machbar“ oder „gangbar“. Es verdeutlicht die Fähigkeit zur Flexibilität, die Führung heute in sich schnell wandelnden Arbeitswelten so anspruchsvoll macht. Das steht im direkten Gegensatz zur „Wahrheit“, die von der einen richtigen Sichtweise und von vielen anderen falschen ausgeht. Führungskräfte, die viabel führen, schauen sich die jeweilige Situation an und überlegen, was passend ist, um sie zu verbessern. Gleichzeitig verlieren sie das große Ganze nicht aus den Augen und können es stets in einem konkreten Zusammenhang nachvollziehbar erklären.

Fähigkeiten entfalten als Modern-Work-Prinzip
© Anna und Nils Schnell

Was es bedeutet, Mitarbeitende bei der Entfaltung ihrer Fähigkeiten zu unterstützen und dabei ohne Ego zu führen, hat uns auf unserer Modern Work Tour ein Australier gezeigt. Auf dem Roadtrip durch Westaustralien haben wir uns mal wieder im Sand festgefahren, als er mit seinem Jeep hinter uns anhält. Er steigt aus, sieht sich den Wagen an und fragt uns: „Darf ich mal probieren?“ Natürlich! Währenddessen erklärt er uns, worauf wir achten sollen, wenn wir im Sand fahren. Innerhalb von einer Minute befreit er den Wagen – doch lange währt unsere Freude nicht. Als er sich versichert hat, dass wir verstanden haben, wie er es macht, bugsiert er den Wagen kurzerhand wieder zurück in die Sandkuhle. Er steigt aus und sagt: „Jetzt seid ihr dran!“ Zehn Minuten lang experimentieren wir, bis wir den Wagen endlich draußen haben. Derweilen steht unser australischer Fahrlehrer seelenruhig dabei und meint am Ende nur: „Geht doch, und gelernt habt ihr nun auch etwas. Mir könnt ihr dann das Fahren im Schnee beibringen, denn das kann ich sicherlich nicht.“


Indem Menschen ihre Fähigkeiten entfalten, erlangen sie die Kompetenz, viable (passende und gangbare) Lösungen für neue Herausforderungen zu finden.


Wie gestalten Menschen moderne Arbeit und New Work weltweit? Welche Herausforderungen und Gemeinsamkeiten haben wir? In ihrem inspirierenden Reisebericht "Die Modern-Work-Tour" stellen Anna und Nils Schnell die besten Beispiele moderner Arbeit vor und zeigen weltweite Inspirationen zum modernen Arbeiten auf.

#modernworktour

Über die Autoren

Anna Schnell ist Diplom-Erziehungswissenschaftlerin und arbeitet als Business Coach für Unternehmen. Sie ist Dozentin an verschiedenen (internationalen) Hochschulen/Bildungseinrichtungen, Autorin und Fachautorin. Sie ist Geschäftsführerin von MOWOMIND mit internationaler Erfahrung in nahezu 40 Ländern. Mit der #modernworktour, die sie und ihren Mann Nils Schnell bislang auf vier Kontinente geführt hat, schaffte Anna Schnell es auf die Shortlist beim New Work Award 2020. Als Keynote-Speakerin gibt sie ihrem Publikum Impulse zu internationalem Arbeiten, New Work und der Zukunft der Arbeit sowie zu Nachhaltigkeit in Unternehmen.

Nils Schnell hat Erwachsenen-Weiterbildung auf Diplom studiert und war interner Coach und Prozessentwickler bei führenden deutschen IT-Unternehmen. Darüber hinaus ist er Autor und Fachautor. Er ist Geschäftsführer von MOWOMIND mit internationaler Erfahrung in nahezu 40 Ländern. Mit der #modernworktour, die ihn und seine Frau Anna Schnell bislang auf vier Kontinente geführt hat, schaffte Nils Schnell es auf die Shortlist beim New Work Award 2020. Als Keynote-Speaker gibt er seinem Publikum Impulse zu internationalem Arbeiten, New Work und der Zukunft der Arbeit sowie Mut und dem Sprengen der persönlichen Komfortzone.