Training, Coaching, Beratung | 08.06.2021

Was gute Blended-Learning-Konzepte ausmacht

Von Barbara Messer

Die Heterogenität der Menschen in den Unternehmen nimmt rasant zu. Die Antwort darauf sind adaptive Lernkonzepte. Wenn Blended Learning gelingen soll, geht es aber um mehr als um das planlose »Zusammenwerfen« von analog und digital. Es braucht eine Synergie, eine richtige Mixtur mit dem Ziel, Menschen zu einer Verhaltensänderung, neuen Werten und einer neuen Einstellung zu ermutigen – und zu befähigen. Diese intelligente Verzahnung muss Chefsache sein, sonst fehlt die nötige Weitsicht. Die Lernziele gehören zusammen, sonst doppeln sich Aspekte oder man verliert Wesentliches aus den Augen, weil die Verantwortlichen nur partiell denken und planen. 

 

Folgende Qualitätskriterien sollten Blended-Learning-Konzepte abbilden: 

 

 Relevanz: Alles, was relevant ist, fördert das Interesse und wird besser behalten. Je mehr Sie über die einzelnen Lernenden und Zielgruppen sowie deren Praxisalltag wissen, desto hochwertiger und passgenauer können Inhalt und Aufbereitung sein. 

 Einfachheit: Kompliziert und hochgestochen kommt nicht gut an – die Menschen lieben es, wenn Dinge einfach sind. Denken Sie nur an Bedienungsanleitungen für Haushaltsgeräte! Die zunehmende Komplexität an sich ist bereits für die meisten Menschen eine Herausforderung. Je einfacher Trainerinnen und Kurse es den Teil nehmenden machen, desto höher ist die Chance, dass die Lernziele erreicht werden. Das betrifft die Sprache und die Aufbereitung der Inhalte. Es lohnt sich zudem, bestimmte Fachbegriffe oder Keywords mehrsprachig aufzubereiten; nicht jede Nicht-Muttersprachlerin möchte jedes Mal die Vokabel-App konsultieren oder einen Gesichtsverlust riskieren. 

 Schnelligkeit: Die Menschen sehnen sich nach Schnelligkeit. Der steigende Zeitdruck lässt Menschen öfter unter Strom stehen. Warten auf langwieriges Hochladen, Herumscrollen in Programmen, langatmige Erwartungsabfragen oder Inhaltswiederholungen und andere zeitraubende Tätigkeiten sind unbeliebt und gehen den Teilnehmenden auf die Nerven. Je dynamischer ein Training ist, desto besser wird es angenommen. 

 Transparenz: Die Menschen mögen Klarheit. Geheimniskrämerei passt nicht mehr in unsere Zeit, es sei denn, sie wird bewusst inszeniert. Trainings und Aufgabenstellungen sollten immer wieder hinsichtlich Klarheit und Transparenz reflektiert werden. Teilnehmende schätzen es, wenn sie wissen, wie lange etwas dauert oder was noch auf sie zukommt. Auch möchten sie in diesem Zusammenhang immer wieder den Nutzen sehen. 

 Praxisnähe: Muss nicht mehr betont werden, oder? Theorie und Praxis klaffen oft weit auseinander. Je mehr praktische und praxisnahe Beispiele, desto besser! Wenn das neue Wissen als echte Lösung für die echten Probleme der Teilnehmenden erscheint, wird es besser aufgenommen. Ein Trainer, der standardisierte Fallbeispiele aufführt, verliert schnell an Ansehen und Interesse, da er sich offensichtlich nicht speziell auf das jeweilige Unternehmen vorbereitet und keine entsprechenden Beispiele zur Hand hat. 

 Authentizität: Je glaubwürdiger und stimmiger Fakten auf einen Menschen wirken, desto authentischer sind sie für ihn. Die neuen Informationen müssen nachvollziehbar, echt und übertragbar sein, sonst büßen sie ihre Glaubwürdigkeit ein. Die Menschen begegnen vielem, was nicht ihrem eigenen Weltbild entspricht, mit großer Skepsis.  

 Selbstbestimmung: Menschen mögen Selbstbestimmtheit – Fremdbestimmung fühlt sich nicht gut an. Die bekannten Grundbedürfnisse von Menschen – sozial eingebunden zu sein, dazuzugehören, selbstwirksam und -bestimmt zu sein – gelten auch fürs Lernen. Das sollte in Trainings und Lernkonzepten unbedingt berücksichtigt werden. Sie kennen das vermutlich selbst aus Präsenztrainings: Wenn Erwachsene plötzlich Spiele spielen sollen, die für sie keinen Sinn ergeben, fühlen sie sich schnell gegängelt und/oder vorgeführt. Also: Flexibilität und Bedürfnisorientierung, auch bei Zeiten und Aufgabenstellungen. 

Motivation: Mitarbeitende kann man nicht motivieren, aber man kann dafür sorgen, dass der Funke überspringt und sie von sich aus motiviert sind. Je besser Trainer (und diejenigen, die über die Trainings entscheiden) die wahren Motive und Motivationen der Zielgruppe kennen, desto besser können Trainings und E-Learning-Module darauf ausgerichtet werden. Aber das gelingt nicht immer. Gerade »Pflichtschulungsthemen« brauchen eine besondere Aufmerksamkeit – eine unattraktive Aufbereitung geht gar nicht. Sorgen Sie dafür, dass diese ungeliebten Seminare zu Trainings-Sahnestückchen werden. 

 Hochwertigkeit: Die Menschen werden immer anspruchsvoller, was ihren Alltag und auch ihr Konsumverhalten angeht. Hochwertigkeit, Ästhetik und Service sind wichtig. Trainings, in denen das Material grob oder nachlässig eingesetzt wird, erhalten Negativpunkte auf der Erlebensskala der Teilnehmenden. Die Menschen möchten spüren, dass etwas hochwertig und »wertvoll« ist. Das gilt für Präsenztrainings wie für E-Learning-Kurse. 

 

 

Über den Autor

Barbara Messer, Jahrgang 1962, trainiert und lehrt seit 1996. Sie hat einen Bachelor of Business Administration, ist NLP-Master und NLP-Trainerin, Ausbildungstrainerin und Certified Speaking Professional (CSP). Sie hält Vorträge, entwickelt Trainings, Workshops und Bildungskonzepte, die einzigartig sind, egal »wie schwer der Stoff« auch scheint. In zahlreichen Büchern und Fachartikeln zeigt sie, wie nah sie dem Alltag von Trainings, Coachings und anderen Lernsituationen ist. Sie bildet international Trainer verschiedener Fachrichtungen aus, begleitet Unternehmen bei der Erstellung von Weiterbildungs- und Tagungskonzepten und ist einzigartig darin, Lösungen zu finden. Praxisnähe, Nachhaltigkeit, Echtheit, Effizienz und Verantwortung sind ihre gelebten Werte. Sie gründete das Trainity Forum und hält zudem interaktive, bewegende Vorträge. Darüber hinaus coacht und berät sie Menschen und Unternehmen, wie sie im ständigen Change einen eigenen Kurs behalten können. Als Horizonautin sucht sie sich immer wieder neue Herausforderungen: Sie geht allein zu Fuß über die Alpen, läuft den New-York-City-Marathon, lebt ein Jahr als Businessnomadin im Wohnmobil und fährt mit dem Rad über die Alpen.