Management, Führung | 12.04.2021

Das können Unternehmer in Sachen Führung aus der Corona-Krise lernen

von Stefan Merath

Die aktuelle Krise ist eine interessante Fallstudie dafür, wie unterschiedlich die Politik mit Krisen umgeht. Während u.a. in Taiwan, Neuseeland und Südkorea frühzeitig die richtigen Weichen gestellt wurden, sieht es in vielen westlichen Ländern ganz anders aus. Die Corona-Krise hat eine ganze Menge an Führungsfehlern in der Politik deutlich gemacht. Doch es gibt auch eine Reihe von Erfolgsbeispielen auf der Welt. Als Unternehmer können wir von beidem lernen.

Führung in Krisensituationen ist an sich nicht schwer: Die Situation wahrnehmen und dann schnell, hart und konsequent aus der Identität des Gesamtsystems handeln. Dabei präsent sein und selbst als Vorbild vorangehen. All das fängt jedoch damit an, zunächst einmal selbst der Realität ins Auge zu blicken und diese zu akzeptieren.


Das „Prinzip Hoffnung“ führt in die Sackgasse

Vor ein paar Monaten bezeichnete ein Politiker die Corona-Krise als eine Naturkatastrophe. Der Gedanke dahinter: „Wir können da nichts für und was auch immer geschieht, es liegt nicht an uns.“ Natürlich sind die aktuellen Herausforderungen ursprünglich auf ein Naturphänomen zurück zu führen. Aber wie sich die Dinge entwickeln, liegt ganz entscheidend an unserem Verhalten. Während sich unsere Politiker noch in Rechtfertigungen übten und einfach hofften, dass die Dinge von allein besser werden, wurden in Ländern wie Taiwan und Neuseeland schon frühzeitig Maßnahmen ergriffen (z.B. Quarantäne-Hotels, aggressive Test-Strategien etc.). Letztgenannte Länder bekommen eine Vielzahl der Auswirkungen der Krise heute gar nicht mehr zu spüren, weil frühzeitig konsequent gehandelt wurde.

Fazit: Das „Prinzip Hoffnung“ führt in die Sackgasse. Egal ob wir uns das Problem eingebrockt haben oder nicht: Es liegt an uns, es wieder aus der Welt zu schaffen.


Das Ziel ist entscheidend

Der unterschiedliche Umgang der Politik mit der Krise lag in vielen Fällen nicht an der Kultur, sondern am jeweiligen Ziel. Während hierzulande – bildlich gesprochen – das Ziel war, aus einem Flächenbrand einen Schwelbrand zu machen, setzten sich viele Länder in Asien und Ozeanien deutlich ambitioniertere Ziele. Neuseeland hat sich frühzeitig daran gemacht, das „Feuer zu löschen“. In Südkorea war es mit einer großangelegten Test-Strategie das Ziel, die Werte so gering wie möglich zu halten. In Deutschland hingegen wurde erstmal einige Wochen wenig gemacht und geschaut, wie sich die Dinge entwickeln würden.

Fazit: Es ist entscheidend, welches Ziel ich mir setze und mit welcher Entschlossenheit ich es verfolge.


Es gibt immer Alternativen

Wenn Führende Entscheidungen als „alternativlos“ darstellen, dann sagt das mehr über sie aus, als über die Situation, mit der sie es zu tun haben. Denn wenn man dann aber mal über den Tellerrand des eigenen Landes hinausschaut, wird man schnell feststellen: In Wirklichkeit gibt es noch sehr viele andere Wege, um mit den aktuellen Herausforderungen zu verfahren. Entscheidungen, die tatsächlich alternativlos sind, gibt es kaum.

Fazit: Es gibt immer Alternativen. Als Führender muss ich die Herausforderung annehmen, die Alternativen finden bzw. entwickeln und meine Entscheidung offen vertreten.


Als Führender sind wir nicht nur Macher, sondern auch „Ermöglicher“

Als Unternehmer sind wir die „Macher“. Nicht selten haben wir den Eindruck, alle Lösungen zu haben. Es gibt jedoch Herausforderungen, die für uns allein zu groß sind. Probleme, für die nur komplexe Lösungen zum Ziel führen und die sich mit aller Recherchearbeit der Welt nicht lösen lassen. In diesen Situationen müssen wir uns als „Ermöglicher“ begreifen.

Indem wir Menschen mit unterschiedlichem Knowhow und verschiedensten Erfahrungen zusammenbringen, die daran interessiert sind, die Herausforderungen anzugehen. Alles was wir hier machen, ist das Ziel vorzugeben, den Austausch zu koordinieren und die Lösungen praktisch zu ermöglichen.

Anfang des letzten Jahres stand die Politik vor genau einer solchen Situation. Sie hatte damals zudem den Luxus, im Sommer 2020 vier Monate Zeit zu haben, um ihre Hausaufgaben zu machen. Mal angenommen, die Politik hätte damals Foren geschaffen, in denen sich Menschen kreativ und lösungsorientiert austauschen können. Die besten Ideen wären dann in der Breite gefördert und ausgerollt worden. Mal angenommen, die Politik hätte sich als „Ermöglicher“ verstanden und nicht als „Verbieter“. Wie viele Lösungen hätten da geschaffen werden können? Wie viele Schulen hätten offenbleiben können? Wie viele Tage an Lockdown hätte uns das erspart?

Fazit: Als Unternehmer habe ich nicht alle Lösungen. Doch ich kann die Menschen zusammenbringen und koordinieren, welche die Lösungen entwickeln können.

Zum Schluss:

„Never waste a good crisis.“ Winston Churchill

Eines dürfen wir als Unternehmer jedoch trotz aller Herausforderungen nicht vergessen: Krisen bieten immer auch Chancen. Denn nicht nur uns werfen solche Situationen aus unseren gewohnten Routinen. Auch unseren Mitarbeitern, Kunden und Lieferanten geht es so. Die Offenheit gegenüber neuen Ansätzen ist nie so groß wie jetzt.

Stefan Merath

Stefan Merath ist Unternehmer, Bestsellerautor, Unternehmercoach und einer breiten Leserschaft durch seine Bücher "Der Weg zum erfolgreichen Unternehmer", "Die Kunst, seine Kunden zu lieben" und "Dein Wille geschehe" bekannt. Er wurde für seine eigene Strategie mit dem Strategiepreis 2009 ausgezeichnet. Mit “Light the fire – Woodstock für Unternehmer“ erfüllt sich Stefan Merath dann 2014 einen Lebenstraum und bringt Richard Branson exklusiv als Speaker nach Deutschland. Seine Kunden gewannen bei TOP JOB und Great Place To Work und gehören so zu den besten Arbeitgebern Deutschlands.