Management, Führung | 12.03.2021

Heil durch die Krise – mit den Erfolgsmethoden der Start-ups

von Johannes Ellenberg

Viele Unternehmen befinden sich gerade in einer Krise – oder stehen sogar bereits kurz vor dem Aus. Besonders für kleine und mittelständische Unternehmen ist die Lage ernst, denn auch die nächsten Monate bleiben unberechenbar.

Immerhin: Der Staat hilft mit finanziellen Zuwendungen, Krediten, Kurzarbeit und Steuerstundungen. Wer so seine Zahlungsfähigkeit erst einmal gesichert und die größten Feuer unter Kontrolle gebracht hat, sollte sich schnellstmöglich mit Handlungsoptionen und Strategien für die Zukunft wappnen. Unternehmen tun gut daran, die erfolgreichen Methoden der Start-ups dabei nicht unbeachtet zu lassen.

Ellenberg Startup

1. Das eigene Warum kennen

Wer mitten in der Krise steckt und überall Löcher stopft, glaubt vielleicht, keine Zeit für übergeordnete Überlegungen zu haben. Dabei sind diese gerade jetzt wichtig. Lassen Sie daher Raum für die folgenden Fragen: Wofür sind Sie als Unternehmer oder Unternehmerin einst angetreten? Was wollten Sie verändern? Welche Probleme haben Sie in der Welt gesehen? Was war Ihre Motivation? Besinnen Sie sich zurück auf das, was Sie angetrieben und Ihnen bis zum heutigen Tag das nötige Durchhaltevermögen verliehen hat. Wer sein ganz persönliches „Warum?“ kennt, trifft die richtigen Entscheidungen und findet neue Möglichkeiten, seine Ziele zu erreichen.


2. Die Antwort draußen suchen

Wie sagte es der Silicon-Valley-Unternehmer Steve Blank so treffend:

 “There are no facts inside your building. So get outside.”

Was er damit meinte: Es hilft nicht, nur auf die eigenen Unternehmensstrukturen und
-ressourcen zu schauen. Was jetzt zählt, sind neue Kunden oder Geschäftsideen – und die speisen sich aus ungelösten Problemen und unbefriedigten Kundenbedürfnissen. Diese finden sich jedoch nicht in den Räumlichkeiten des Unternehmens, sondern nur draußen am Markt! Verstehen Sie Ihr Geschäft so gut, wie Sie nur können. Erkennen Sie in Potenzialen und Problemen echte Chancen für Innovationen. Wer jetzt einen offenen Blick bewahrt, kann aus dieser Situation sogar gestärkt hinausgehen. Mit welchen Menschen und Unternehmen würden Sie gerne zusammenarbeiten? Vielleicht lassen sich so Ressourcen

bündeln?


3. Schnell sein

Zeit ist Geld – das galt noch nie so sehr wie heute. Denn Zeit ist gerade nicht nur eine knappe Ressource – sie ist aufgrund der Unsicherheit auch nur schwer berechenbar. Statt sich also zu lange mit der Entwicklung neuer Maßnahmen oder der ausführlichen Strategieplanung aufzuhalten, sollten Unternehmer daher so schnell wie möglich in die Umsetzung kommen.


4. Lieber effektiv statt perfekt

Das Pareto-Prinzip besagt, dass 80 Prozent der Ergebnisse mit 20 Prozent des Gesamtaufwandes erreicht werden. Die verbleibenden 20 Prozent der Ergebnisse erfordern mit 80 Prozent einen so hohen Aufwand, dass sich dieser oft gar nicht lohnt. Scheuen Sie sich daher nicht, auch eine nur zu 80 Prozent ausgereifte Lösung umzusetzen. Und erlauben Sie es sich dabei unbedingt, Fehler zu machen. Es ist nun mal so: Wer auf eine allzu gründliche Vorbereitung und Planung verzichtet, wird immer wieder mal Anpassungsbedarf haben. Aber: Die Vorteile einer schnellen Implementierung überwiegen die Nachteile der Korrekturschleifen. Wenn Sie bei 80 Prozent anfangen und kontinuierlich verbessern, wird Sie das weniger Zeit und Ressourcen kosten, als der Versuch, direkt bei 100 Prozent zu starten. Das Motto sollte lauten: Better done that perfect.


5. Flexibel bleiben statt besitzen

Nichts ist gerade so gefährlich wie langfristige Verbindlichkeiten. Versuchen Sie Ihr Unternehmen daher mit so wenigen Abhängigkeiten wie möglich zu belasten. Lassen Sie Ihre Firma agil und frei agieren. Das gilt gerade im Hinblick auf übermäßigen, vermeidbaren Besitz von Gütern und Ressourcen. Er macht in dynamischen und ungewissen Zeiten träge und handlungsunfähig. Organisieren Sie die Wertschöpfungsketten Ihres Unternehmens in Zukunft – nach Möglichkeit – durch Zugriff.


6. Fokus auf die Mitarbeiter

Die aktuelle Krise betrifft nicht nur die Unternehmensspitze, sondern sämtliche Mitarbeiter. Viele von ihnen sehen in eine ungewisse Zukunft. In der Führung bedarf es daher nun einer klaren Kommunikation und Handlung. Führen Sie jedoch nicht mit eiserner Faust und autokratisch, sondern partizipativ und mittels Begegnungen auf Augenhöhe. Schaffen Sie ein Wir-Gefühl und versuchen Sie, die Krise als starkes Team gemeinsam zu meistern.


7. Geben kommt vor Nehmen

Vielfach war es in den vergangenen Monaten schon zu beobachten: Unternehmen und Dienstleister boten anderen ihre Hilfe an. Denn was wir trotz der Krise gerade im Überfluss haben, ist bei anderen vielleicht Mangelware. Wichtig ist: Helfen Sie bedingungslos, etwa mit ungenutzten Maschinen, freien Lagerkapazitäten oder Mitarbeitern, die bei Ihnen momentan nicht voll ausgelastet sind. Es zeigt sich immer wieder, was für wunderbare Begegnungen, Projekte und Möglichkeiten sich aus einer solchen Unterstützung ergeben, auf die Sie nie von alleine gekommen wären.

Mit den Methoden erfolgreicher Start-ups sind sie auch für die Zeit nach der Pandemie gut aufgestellt – und im Idealfall sogar ein Stück widerstandsfähiger als zuvor.

Johannes Ellenberg ist ein bekannter Kopf der deutschen Startup-Szene. Er gründete 2011 den Verein Startup Stuttgart e.V., eine Anlaufstelle für Gründer aus der Region. Knapp ein Jahr später gründete er die Accelerate Stuttgart GmbH als Digitalisierungs- und Startup-Hub für Baden-Württemberg. Heute begleitet er als Buchautor, Unternehmercoach und Vortragsredner Unternehmen auf ihrem Weg in die digitale Zukunft und Menschen in ihre unternehmerische Freiheit. Mit seiner Akademie für unternehmerisches Denken und Handeln begleitet er Menschen im Unternehmen und in offenen Seminaren auf dem Weg in ein selbstwirksames und glückliches Leben.