Training, Coaching, Beratung | 16.12.2022

Es knallt! Silvester.

von Sylvia Löhken

Introvertiert in die Feiertage: Finde die 3. Alternative!

Was soll das neue Jahr bringen? Was ist wichtiger: Der nächste Karriereschritt oder mehr Zeit fürs Privatleben? Häufig gehen die Meinungen in der Familie hier stark auseinander. Wie man Lösungen findet, die weit über einen unliebsamen Kompromiss hinausgehen und für alle ein echter Gewinn sind? Finden Sie 3. Alternativen! Wie das geht? Das verraten Ihnen Intro-Expertin Sylvia C. Löhken und Synergie-Großmeister Stephen R. Covey im 3. Teil unserer vierteiligen Synergie-Serie. 

Mini-Serie: Entspannt durch die Weihnachtszeit – Teil 3

Es knallt! Silvester.

Marlenes Küche

Enno riecht missmutig an seinem Kräutertee. Notgedrungen ist er mit seiner schweren Erkältung bei Mutter Marlene geblieben, während Lynn mit den Kindern eine alte Freundin in München besucht. In ein paar Tagen geht es schon wieder zurück in die USA. Immerhin: Seine Schwester Isabell ist zum Jahreswechsel zu Besuch gekommen. Da lassen sich vielleicht ein paar Dinge klären.

„Du weißt genau, dass Mama uns jetzt mehr braucht! Und ich bin nun einmal in Boston. Für den nächsten Karriereschritt brauche ich noch ein, zwei Jahre. Aber du – du bist hier, Isabell. Und in deinem Job passiert doch sowieso nichts. Warum gehst du nicht für eine Weile auf Teilzeit? Hier ist es doch paradiesisch für Angestellte – bekommst du sofort, wenn es um Familienangehörige geht. Das heißt, wenn dich das kümmert!“

Isabell wird heiß und kalt. In ihrem Kopf tanzen Gedankenfetzen: Wie früher. Immer mischt er sich ein. Keine Frage nach mir. Wenn ich nichts sage, macht er immer mehr Druck. Was für ein Stress. Und seine Karriere ist natürlich unantastbar. Egoist. Rücksichtsloses Trampeltier. Gut, dass er bald weg ist!

Ennos Erkältung, gemischt mit Selbstmitleid (die schöne Party in München!), senkt seine Laune auf einen Tiefpunkt:

Diese Leisetreterin von Schwester! Hat einen Loser-Job und könnte sich hier viel nützlicher machen, wenn sie halbtags arbeitet. Mama hat jetzt Vorrang. Isabell ist einfach egoistisch. Es geht jetzt mal nicht um sie. Das muss sie doch sehen!

„Sag doch mal was. Du bist so passiv-aggressiv! Es geht hier mal nicht um deine Kuschelecke, sondern um Mama. Sie ist ganz allein!“, Ennos Stimme krächzt deutlich lauter.

„Sagt mal, was ist denn hier los?“ Plötzlich steht Marlene stirnrunzelnd in der Küche. „Ich fühle mich gerade um 20 Jahre zurückversetzt. Wenn ihr aus der Schule gekommen seid …“

Isabell steht auf und legt den Arm um ihre Mutter: „Alles gut, Mama. Wir, ehm, besprechen gerade etwas.“

„Ja, das war gut zu hören! Und es geht ja offensichtlich um mich. Gestattet, dass ich mich hier zu Wort melde. Ich bin zwar jetzt Witwe, aber nicht plötzlich auch noch ein Kleinkind.“

Marlene holt sich eine Tasse und setzt sich an den Küchentisch. „Ist das Kräutertee? Nein, vielen Dank. Ich setze mir einen Kaffee auf.“

Tipps von Sylvia C. Löhken

  1. Halten Sie inne, wenn Sie merken, dass Sie sich über Ihr Gegenüber ärgern oder sich zurückziehen. Was wollen Sie lieber anders haben?
  2. Versuchen Sie herauszuhören, worum es Ihrem Gegenüber geht. Fragen Sie im Zweifel nach. Das können Sie – wie Marlene – auch für Dritte tun.
  3. Stellen Sie die Perspektiven nebeneinander. Fragen Sie sich und Ihr Gegenüber: Wie bekommen beide Bedürfnisse den nötigen Raum?

Etwas später

„So“, sagt Marlene und blickt ihren Sohn an: „Jetzt sag mal, was du dir wünschst. Wir hören zu.“

„Das ist doch klar, Mama! Du vereinsamst doch ohne Papa. Und du brauchst Hilfe. Und du hast doch eine Familie. Und wir besprechen gerade …“

„Enno, was willst du?“, Marlene bleibt dran.

„Ich will, dass es dir gut geht!“

Du, Enno. Was willst du?“

„Ich bin doch in den USA. Ich kann da nichts machen. Und da könnte doch Isabell …“

„Warte mal ...“

Marlene blickt ihre Tochter an: „Und du, Isabell?“

Enno blickt missmutig auf seinen lauwarmen Tee.

Isabell meint: „Ich will auch, dass es dir gut geht. Und gerade sieht es gut aus im Job. Und ich kann deshalb nicht einfach …“

Nein, Isabell, was willst du?“ Ich wünsche mir neue Perspektiven. Mein Chef hat gerade herausgefunden, dass ich gut im Organisieren bin. Und da wird bald eine Leitungsstelle frei. Aber ich will auch nicht egoistisch sein. Und Enno hat es leicht, der ist weg …“

Marlene lehnt sich zurück und nimmt einen Schluck Kaffee: „Ist ja nett, dass ihr euch beide um mich sorgt. Könnt ihr euch vorstellen, dass es mich einfach freut, euch so zu sehen? Mit tollen Familien, auf einem guten Weg in euren Berufen?“

Enno holt Luft, schweigt aber, als seine Mutter den Kopf schüttelt: „Ich bin so stolz auf euch“, fährt Marlene fort. „Und jetzt lasst uns überlegen, was wir brauchen, damit ihr sorgenfrei euer Ding machen könnt. Ok?“

Januar 2023: Momentaufnahme

Enno und Lynn sind mit den Kindern wieder in Boston. Sonntagsmorgens ist Oma-Zeit: Zoom-Treffen mit Marlene. Das Highlight: Harry, der kleine Mischlingshund aus dem Tierheim, der ab und zu am Bildschirm schleckt.

Isabell und Hanno schalten sich ab und zu mitsamt Tochter Sophie dazu.

Sophie besucht nach der Schule öfter ihre Oma Marlene. Die kann nicht nur eine tolle Pizza backen, sondern braucht auch dringend jemanden, der mit auf Harry aufpasst.

Isabell hat gerade im Jahresgespräch ihre Beförderung angenommen.

Marlene überlegt, mit ihren Freundinnen einen Buchclub zu gründen – aber nur mit den hundefreundlichen!

Tipp von Stephen R. Covey

Geben Sie sich nicht mit Kompromissen zufrieden. Denn ein Kompromiss ist nichts anderes als eine unliebsame Notlösung. Jeder verliert etwas. Am Ende geht die Beziehung geschwächt aus dem Kompromiss hervor. Oft flammt der Konflikt schon bald wieder auf. Machen Sie es wie Marlene: Finden Sie heraus, was jeder der Beteiligten wirklich will. Lassen Sie dann Ihrer Kreativität freien Lauf und entwickeln Sie eine 3. Alternative, die für alle ein Gewinn ist. Das Beispiel von Marlene zeigt, dass das oft viel leichter ist als zunächst gedacht!

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Über die Autoren

Dr. Sylvia Löhken ist einem breiten Publikum als Expertin für intro- und extrovertierte Kommunikation bekannt. Sie hilft Menschen, sich selbst und andere besser zu verstehen und mit dem, was sie sind, erfolgreich zu sein: an Hochschulen und Forschungsinstituten, in Führungsetagen und auf Kongressen, in Konferenzräumen und im Zusammenleben mit anderen. Sylvia Löhkens Ausgangsfrage ist: Wie gestalten wir unser Leben am besten als die Persönlichkeiten, die wir sind? Das Thema Gespräche treibt sie dabei schon lange um. Ihre Bücher über intro- und extrovertierte Kommunikation (alle bei GABAL erschienen) sind mit 25 Sprachen und über 500.000 verkauften Exemplaren internationale Bestseller. Sie trugen entscheidend dazu bei, den „kleinen Unterschied“ zwischen Intro- und Extrovertierten zu etablieren. Auch die Medienresonanz war und ist groß, bis hin zu Coverstorys in Der Spiegel und Psychologie heute, Interviews in Brigitte, El País oder Madame Figaro, im Deutschlandradio und im NDR, im Handelsblatt und in Psychologies sowie Fernsehauftritten im ZDF, WDR und ORF.
Sylvia Löhken arbeitet weltweit als Coach, Trainerin und Rednerin. Häufig begleitet sie introvertierte Persönlichkeiten auf ihrem Erfolgsweg.

Dr. Stephen R. Covey, ein millionenfacher Bestsellerautor von Selbsthilfe- und Business-Klassikern strebte danach, den Lesern zu helfen, die Prinzipien zu erkennen, die sie zu persönlicher und beruflicher Effektivität führen würden. Sein bahnbrechendes Werk Die 7 Wege zur Effektivität veränderte mithilfe eines überzeugenden, logischen und klar definierten Prozesses die Art und Weise, wie Menschen über ihre Probleme denken und handeln. Als international angesehene Autorität zum Thema Führung, Familie, sowie Organisationsberatung und Autor helfen seine Werke Millionen von Lesern. Er verkaufte mehr als 40 Millionen Bücher in 50 Sprachen. Die 7 Wege zur Effektivität gelten als einflussreichstes Businessbuch des 20. Jahrhunderts. Er war der Autor von Die 3. Alternative, Der 8. Weg und vielen weiteren Titeln. Covey hielt einen MBA von Harvard und einen Doktortitel von der Brigham Young University. Er lebte mit seiner Frau und seiner Familie in Utah.

Als Dr. Stephen R. Covey 2012 verstarb, hinterließ er ein beispielloses Erbe an Weisheiten über Führung, Zeitmanagement, Effektivität, Erfolg sowie Liebe und Familie.