Von Cordula Nussbaum
Für viele klang es jahrelang wie das Paradies: Homeoffice! Endlich in Kuschelklamotten arbeiten, nach dem eigenen Rhythmus und ohne den drängelnden Chef vor Augen. Dass der Job zu Hause auch Schattenseiten hat, stellen nun viele fest, die sich schneller als erwartet am heimischen Schreibtisch wiederfinden. Sei es als Komplett-Lösung, oder aber als hybrides Modell mit Anwesenheits- und Zuhause-Zeiten.
Gerade wenn das Homeoffice eine relativ neue und eher seltene Erfahrung ist, können folgende Strategien helfen, um auch zu Hause gut, produktiv und mit Spaß zu arbeiten:
6 Survival-Tipps fürs Homeoffice
Homeoffice Survival-Tipp #1: Die Arbeitszeiten beachten
Rein theoretisch können wir im Homeoffice rund um die Uhr arbeiten, da wir – abgesehen von Absprachen mit Vorgesetzten und Kollegen – frei über unsere Zeit verfügen. Das ist ein Riesenvorteil, kann aber auch zur Falle werden. Entweder, weil wir als engagierte Mitarbeiter völlig die Zeit vergessen und mehr arbeiten, als wir sollten und dürfen. Denn auch im Homeoffice gelten die Bestimmungen des Arbeitsschutzes. Das bedeutet: nicht länger als acht Stunden arbeiten, nur in Ausnahmefällen bis zu zehn Stunden.
Oft ist aber auch das Gegenteil der Fall: So begeben sich ungeübte Homeoffice-Arbeiter manchmal in den „Chill-Modus“, schlafen morgens länger, um dann ewig am Frühstückstisch zu sitzen und News zu checken. Auf einmal ist es 11 Uhr, und der Arbeitstag gefühlt vorbei. Wichtig ist also, die Zeiten am Arbeitsplatz festzulegen – und sich auch daran zu halten. Das schafft Klarheit für alle im Team, und hilft, weder in die Chill- noch in die Open-End-Falle zu tappen. Denn wenn wir wissen, dass wir abends eh nichts vorhaben, sind wir im Laufe des Tages deutlich anfälliger für Störungen, für innere Ablenkung (SocialMedia!) oder für Schreckensmeldungen rund um Corona. Eine fixe Feierabendvorgabe hilft, den Fokus zu behalten.
Homeoffice Survival-Tipp #2: Einen Arbeitsraum schaffen
Selbst wenn wir über kein Arbeitszimmer verfügen, sollten wir einen Platz in der Wohnung definieren, an dem wir künftig arbeiten werden und dem wir nach Feierabend bewusst den Rücken zuwenden. Optisch oder zumindest gedanklich abgetrennte Arbeitsbereiche helfen dabei, nicht in die Falle vieler Selbstständiger zu tappen, die selbst und ständig arbeiten. Internet & Co. machen es uns allzu leicht, rund um die Uhr busy zu sein. Das gilt es unbedingt zu vermeiden – und eine klare räumliche Trennung zwischen „Job-Ecke“ und dem Rest der Wohnung erleichtert es ungemein.
Der Arbeitsplatz sollte so ergonomisch wie möglich sein. Denn die Couch-Laptop-auf-dem-Schoß-Haltung geht nicht lange gut. Ein Tisch mit einem vernünftigen Stuhl ist das Minimum. Am besten nach Absprache mit dem Arbeitgeber einen großen Monitor und eine gute Mouse mit nach Hause nehmen, um nicht mit krummem Rücken auf das Mini-Display des Laptops oder iPads starren zu müssen.
Homeoffice Survival-Tipp #3: Nach außen hin abschotten
Wenn wir im Homeoffice arbeiten, denken Freunde, Familie und Nachbarn oft, wir wären einfach nur zu Hause. Mit dem Ergebnis, dass wir gebeten werden, doch morgen „mal eben ein Paket anzunehmen“ oder auf ihren Hund aufzupassen. Besser also, wenn wir den Menschen, die gar nicht wissen müssen, dass wir im Heimbüro sind, gar nichts davon mitteilen. Dann rechnen sie auch nicht mit uns. Allen anderen teilen wir unsere „Arbeitszeiten“ mit, in denen wir privat nur im Notfall zu erreichen sind. Auch wenn wir in den eigenen vier Wänden nicht unbedingt auf die Minute pünktlich am Laptop sitzen müssen, helfen solche Zeitvorgaben doch, dass die Arbeit respektiert wird. Voraussetzung ist natürlich, dass wir uns auch selbst an die Zeiten halten und nicht zum Hörer greifen für einen privaten Plausch.
Homeoffice Survival-Tipp #4: Ablenkung verhindern
Kaum etwas kann die Konzentration so beeinträchtigen, wie die Geschirrberge vom Frühstück oder die Bügelwäsche vor Augen zu haben. Um nicht in Versuchung zu kommen, vom Arbeitsplatz aufzuspringen, sollten wir uns also am besten so platzieren, dass wir von solchen Anblicken gar nicht erst abgelenkt werden. Wer kein separates Arbeitszimmer hat, kann einen Sicht-Schutz (Paravent) verwenden oder den Tisch mit Blickrichtung zur Wand oder zum Fenster drehen. Während der Arbeitszeiten sollte das private Telefon lautlos gestellt sein (außer die Kollegen rufen dort an). Klingelt dreimal am Tag der Paketbote, um einem die Lieferungen für die Nachbarn anzudrehen, kann auch die Türglocke auf lautlos gestellt werden.
Homeoffice Survival-Tipp #5: Pausenzeiten einhalten
Wer länger als sechs Stunden am Tag arbeitet, muss mindestens 30 Minuten Pause machen. Bei neun Stunden am Tag sind es mindestens 45 Minuten Pause – so ist es gesetzlich vorgeschrieben. Wir sollten aber nicht nur Pausen machen, weil wir es müssen, sondern weil es unserem natürlichen Rhythmus entspricht. Nach Zeiten der Anspannung müssen unbedingt Phasen der Regeneration folgen, damit Körper und Geist sich erholen können. Aber Vorsicht: Pausen, in denen wir „schnell mal was im Haushalt machen“, sind nicht unbedingt zum Abschalten geeignet. Wichtig sind auch Mikro-Pausen: Spätestens alle 70 Minuten aufstehen, sich strecken, etwas trinken und atmen. In der Ungestörtheit des Homeoffice merken wir nämlich häufig nicht, wenn der Akku leer wird.
Homeoffice Survival-Tipp #6: Abstand gewinnen
Der Heimweg vom Büro ist eine gute emotionale Trennung zwischen Job und Freizeit. Wir können gedanklich den Tag hinter uns lassen und Abstand gewinnen zu Ärger oder Stress. Im Homeoffice fällt diese Möglichkeit weg. Manche Menschen können trotzdem gut abschalten, sobald sie den Rechner ausgemacht haben. Wenn die Gedanken aber überhaupt nicht zur Ruhe kommen, sollten wir uns auf einen künstlich geschaffenen Heimweg begeben: alle Job-Gadgets herunterfahren, das Firmenhandy ausmachen und eine Runde spazieren gehen. Oder wir nutzen mentale Ablenkungen, um „um-zuschalten“ (statt abzuschalten): Sudoku spielen, ein angenehmes Telefonat führen … So kommen wir besser ins Feierabendgefühl und können die freie Zeit wirklich genießen.
Wer also im Homeoffice achtsam ist, auf seine Energie und Pausen achtet und Ablenkungen vermeidet, der wird auch außerhalb des Büros effizient und erfolgreich arbeiten können – vielleicht sogar besser denn je.
Über den Autor
Ihr Thema: raus aus Stress und mentaler Überlastung, hin zu Klarheit, Fokus und Freude an dem, was wirklich zählt – mit Wegen, die zur eigenen Persönlichkeit passen.
Bekannt wurde sie mit ihrem eigenen Ansatz für kreatives Zeitmanagement, SPIEGEL WISSEN nennt sie »Deutschlands führende Expertin im Thema Zeitmanagement«. Inzwischen sind mehr als 20 Bücher von ihr erschienen, übersetzt unter anderem ins Französische, Koreanische, Chinesische und brasilianische Portugiesisch.
Bei GABAL zeigt sie in »Lass mal andere arbeiten!«, wie Delegieren wirklich entlastet, und in »Lass mal alles aus!«, wie Abschalten gelingt. Außerdem erschienen bei GABAL »LMAA – 66 Mini-Plädoyers für mehr Mut, Leichtigkeit und Gelassenheit« sowie der Lebensratgeber »Geht ja doch! Wie Sie mit 5 Fragen Ihr Leben verändern«.
Was sie schreibt, stammt aus über zwanzig Jahren Erfahrung als Coach und Rednerin und aus der Hirnforschung: Cordula Nussbaum hat die Weiterbildung »Master of Cognitive Neuroscience (aon)« abgeschlossen.
Ihren Blick auf Unternehmen schärfte sie zuvor als Wirtschaftsjournalistin, u. a. für Süddeutsche Zeitung, FOCUS und WirtschaftsWoche.
Als zweite Frau im deutschsprachigen Raum trägt sie die Auszeichnung »Certified Speaking Professional (CSP)«, 2022 wurde sie in die »Hall of Fame« der German Speakers Association aufgenommen.
Ihr Podcast »7 Minuten: Mehr Zeit für mich!« gehört regelmäßig zu den meistgehörten seiner Kategorie. Cordula Nussbaum lebt bei München und liest am liebsten in der Hängematte.
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