Persönliche Entwicklung, Karriere, Finanzen | 04.05.2021

Survival-Tipps fürs Homeoffice

Chancen nutzen und Fallen vermeiden

Von Cordula Nussbaum

Für viele klang es jahrelang wie das Paradies: Homeoffice! Endlich in Kuschelklamotten arbeiten, nach dem eigenen Rhythmus und ohne den drängelnden Chef vor Augen. Dass der Job zu Hause auch Schattenseiten hat, stellen nun viele fest, die sich schneller als erwartet am heimischen Schreibtisch wiederfinden. Sei es als Komplett-Lösung, oder aber als hybrides Modell mit Anwesenheits- und Zuhause-Zeiten.

Gerade wenn das Homeoffice eine relativ neue und eher seltene Erfahrung ist, können folgende Strategien helfen, um auch zu Hause gut, produktiv und mit Spaß zu arbeiten:

Arbeitszeiten beachten

Die Arbeitszeiten beachten

Rein theoretisch können wir im Homeoffice rund um die Uhr arbeiten, da wir – abgesehen von Absprachen mit Vorgesetzten und Kollegen – frei über unsere Zeit verfügen. Das ist ein Riesenvorteil, kann aber auch zur Falle werden. Entweder, weil wir als engagierte Mitarbeiter völlig die Zeit vergessen und mehr arbeiten, als wir sollten und dürfen. Denn auch im Homeoffice gelten die Bestimmungen des Arbeitsschutzes. Das bedeutet: nicht länger als acht Stunden arbeiten, nur in Ausnahmefällen bis zu zehn Stunden.

Oft ist aber auch das Gegenteil der Fall: So begeben sich ungeübte Homeoffice-Arbeiter manchmal in den „Chill-Modus“, schlafen morgens länger, um dann ewig am Frühstückstisch zu sitzen und News zu checken. Auf einmal ist es 11 Uhr, und der Arbeitstag gefühlt vorbei. Wichtig ist also, die Zeiten am Arbeitsplatz festzulegen – und sich auch daran zu halten. Das schafft Klarheit für alle im Team, und hilft, weder in die Chill- noch in die Open-End-Falle zu tappen. Denn wenn wir wissen, dass wir abends eh nichts vorhaben, sind wir im Laufe des Tages deutlich anfälliger für Störungen, für innere Ablenkung (SocialMedia!) oder für Schreckensmeldungen rund um Corona. Eine fixe Feierabendvorgabe hilft, den Fokus zu behalten.

Einen Arbeitsraum schaffen

Selbst wenn wir über kein Arbeitszimmer verfügen, sollten wir einen Platz in der Wohnung definieren, an dem wir künftig arbeiten werden und dem wir nach Feierabend bewusst den Rücken zuwenden. Optisch oder zumindest gedanklich abgetrennte Arbeitsbereiche helfen dabei, nicht in die Falle vieler Selbstständiger zu tappen, die selbst und ständig arbeiten. Internet & Co. machen es uns allzu leicht, rund um die Uhr busy zu sein. Das gilt es unbedingt zu vermeiden – und eine klare räumliche Trennung zwischen „Job-Ecke“ und dem Rest der Wohnung erleichtert es ungemein.

Der Arbeitsplatz sollte so ergonomisch wie möglich sein. Denn die Couch-Laptop-auf-dem-Schoß-Haltung geht nicht lange gut. Ein Tisch mit einem vernünftigen Stuhl ist das Minimum. Am besten nach Absprache mit dem Arbeitgeber einen großen Monitor und eine gute Mouse mit nach Hause nehmen, um nicht mit krummem Rücken auf das Mini-Display des Laptops oder iPads starren zu müssen.

Nach außen hin abschotten

Nicht stören

Wenn wir im Homeoffice arbeiten, denken Freunde, Familie und Nachbarn oft, wir wären einfach nur zu Hause. Mit dem Ergebnis, dass wir gebeten werden, doch morgen „mal eben ein Paket anzunehmen“ oder auf ihren Hund aufzupassen. Besser also, wenn wir den Menschen, die gar nicht wissen müssen, dass wir im Heimbüro sind, gar nichts davon mitteilen. Dann rechnen sie auch nicht mit uns. Allen anderen teilen wir unsere „Arbeitszeiten“ mit, in denen wir privat nur im Notfall zu erreichen sind. Auch wenn wir in den eigenen vier Wänden nicht unbedingt auf die Minute pünktlich am Laptop sitzen müssen, helfen solche Zeitvorgaben doch, dass die Arbeit respektiert wird. Voraussetzung ist natürlich, dass wir uns auch selbst an die Zeiten halten und nicht zum Hörer greifen für einen privaten Plausch. 

Ablenkung verhindern

Kaum etwas kann die Konzentration so beeinträchtigen, wie die Geschirrberge vom Frühstück oder die Bügelwäsche vor Augen zu haben. Um nicht in Versuchung zu kommen, vom Arbeitsplatz aufzuspringen, sollten wir uns also am besten so platzieren, dass wir von solchen Anblicken gar nicht erst abgelenkt werden. Wer kein separates Arbeitszimmer hat, kann einen Sicht-Schutz (Paravent) verwenden oder den Tisch mit Blickrichtung zur Wand oder zum Fenster drehen. Während der Arbeitszeiten sollte das private Telefon lautlos gestellt sein (außer die Kollegen rufen dort an). Klingelt dreimal am Tag der Paketbote, um einem die Lieferungen für die Nachbarn anzudrehen, kann auch die Türglocke auf lautlos gestellt werden.

Pausenzeiten einhalten

Pausenzeiten einhalten

Wer länger als sechs Stunden am Tag arbeitet, muss mindestens 30 Minuten Pause machen. Bei neun Stunden am Tag sind es mindestens 45 Minuten Pause – so ist es gesetzlich vorgeschrieben. Wir sollten aber nicht nur Pausen machen, weil wir es müssen, sondern weil es unserem natürlichen Rhythmus entspricht. Nach Zeiten der Anspannung müssen unbedingt Phasen der Regeneration folgen, damit Körper und Geist sich erholen können. Aber Vorsicht: Pausen, in denen wir „schnell mal was im Haushalt machen“, sind nicht unbedingt zum Abschalten geeignet. Wichtig sind auch Mikro-Pausen: Spätestens alle 70 Minuten aufstehen, sich strecken, etwas trinken und atmen. In der Ungestörtheit des Homeoffice merken wir nämlich häufig nicht, wenn der Akku leer wird.

Abstand gewinnen

Der Heimweg vom Büro ist eine gute emotionale Trennung zwischen Job und Freizeit. Wir können gedanklich den Tag hinter uns lassen und Abstand gewinnen zu Ärger oder Stress. Im Homeoffice fällt diese Möglichkeit weg. Manche Menschen können trotzdem gut abschalten, sobald sie den Rechner ausgemacht haben. Wenn die Gedanken aber überhaupt nicht zur Ruhe kommen, sollten wir uns auf einen künstlich geschaffenen Heimweg begeben: alle Job-Gadgets herunterfahren, das Firmenhandy ausmachen und eine Runde spazieren gehen. Oder wir nutzen mentale Ablenkungen, um „um-zuschalten“ (statt abzuschalten): Sudoku spielen, ein angenehmes Telefonat führen … So kommen wir besser ins Feierabendgefühl und können die freie Zeit wirklich genießen.

 

Wer also im Homeoffice achtsam ist, auf seine Energie und Pausen achtet und Ablenkungen vermeidet, der wird auch außerhalb des Büros effizient und erfolgreich arbeiten können – vielleicht sogar besser denn je.

Über den Autor

Cordula Nussbaum, langjährige Wirtschaftsjournalistin, Unternehmerin und 21-fache Buchautorin, inspiriert seit vielen Jahren Millionen Menschen mit ihren Impulsen zum persönlichen Erfolg. Ihr Podcast „Kreatives Zeitmanagement“ zählt zu den TOP-Erfolgs-Podcasts. Ihren Blog gluexx-factory.de lesen monatlich viele Tausend Besucher. Ihre Bücher erschienen bislang in sechs Sprachen und wurden ins Lufthansa-Bordprogramm aufgenommen. Der SPIEGEL Wissen bezeichnet sie als »Deutschlands führende Expertin im Thema Zeitmanagement«. Unternehmen von Allianz bis ZDF buchen sie regelmäßig für Trainings zu den Themen Zeitmanagement und Team-Management sowie zu den Themen Gesund führen, Aufgaben richtig abgeben und als Führungskräftecoach.
2019 wurde Cordula Nussbaum »Trainer & Influencer des Jahres«. Sie lebt bei München und liebt es, in der Hängematte zu liegen und zu lesen.